Umgang mit Nachhaltigkeitsrisiken

Gemäß VERORDNUNG (EU) 2019/2088 DES EUROPÄISCHEN PARLAMENTS UND DES RATES vom 27. November 2019 über nachhaltigkeitsbezogene Offenlegungspflichten im Finanzdienstleistungssektor stellen wir Ihnen im Folgenden kurz dar, wie wir mit Nachhaltigkeitsrisiken umgehen.

Der Gesetzgeber bestimmt den Begriff „Nachhaltigkeit“ im Sinne von ESG (Environmental, Social and Governance – Umwelt, Soziales und Unternehmensführung) und geht insbesondere auf physische und transitorische Risiken ein, die als Faktoren der bestehenden Risikoarten zunehmende Wirkung entfalten können. 

Nachhaltigkeitsrisiken im Sinne dieser Erläuterungen sind also Ereignisse oder Bedingungen aus den Bereichen Umwelt, Soziales oder Unternehmensführung, deren Eintreten tatsächlich oder potenziell negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage sowie auf die Reputation eines betroffenen Unternehmens haben können. 

Nachhaltigkeitsrisiken in den Bereichen Klima und Umwelt unterteilen sich in physische Risiken und Transitionsrisiken: 

Physische Risiken ergeben sich sowohl im Hinblick auf einzelne Extremwetterereignisse und deren Folgen (Beispiele: Hitze- und Trockenperioden, Überflutungen, Stürme, Hagel, Waldbrände, Lawinen) als auch in Bezug auf langfristige Veränderungen klimatischer und ökologischer Bedingungen (Beispiele: Niederschlagshäufigkeit und -mengen, Wetterunbeständigkeit, Meeresspiegelanstieg, Veränderung von Meeres- und Luftströmungen, Übersäuerung der Ozeane, Anstieg der Durchschnittstemperaturen mit regionalen Extremen). Physische Risiken können auch indirekte Folgen haben (Beispiele: Zusammenbruch von Lieferketten; Aufgabe wasserintensiver Geschäftstätigkeiten bis hin zu klimabedingter Migration und bewaffneten Konflikten). Schließlich könnten die Verursacher von Umweltschäden bzw. Unternehmen, die den Klimawandel befördert haben, staatlich (siehe z.B. Ontario Bill 21, Liability for Climate-Related Harms Act, 2018) oder gerichtlich für die Folgen verantwortlich gemacht werden. 

Wir sehen die physischen Risiken für unser Haus als sehr gering an, da der Firmensitz in einem oberen Stockwerk eines neugebauten Hauses in der Innenstadt von Stuttgart in leicht erhöhter Lage liegt. Die Region hat keine Historie von ausgeprägten Wetterextremen oder anderen physischen Risiken. Der Geschäftsbetrieb ist nicht auf Anwesenheit im Büro angewiesen, die jederzeitige Einsatzbereitschaft der Notfallpläne wird regelmäßig überprüft.

Transitionsrisiken bestehen im Zusammenhang mit der Umstellung auf eine kohlenstoffarme Wirtschaft: 

Politische Maßnahmen können zu einer Verteuerung und/oder Verknappung fossiler Energieträger oder von Emissionszertifikaten führen (Beispiele: Kohleausstieg, CO2-Steuer) oder zu hohen Investitionskosten aufgrund erforderlicher Sanierungen von Gebäuden und Anlagen. Neue Technologien können bekannte verdrängen (Beispiel: Elektromobilität), veränderte Präferenzen der Vertragspartner und gesellschaftliche Erwartungen können nicht angepasste Unternehmen gefährden. 

Wir sehen die Transitionsrisiken für unser Haus als sehr gering an, da der Firmensitz neu gebaut und lediglich angemietet ist und somit keine Anpassungaufwendungen für Gebäude o.ä. berücksichtigt werden müssen. Da wir keine Firmenwagen haben sind auch hier keine Risiken bei der Umstellung eines Fuhrparks zu erwarten.

Interdependenz zwischen physischen Risiken und Transitionsrisiken 

Eine starke Zunahme der physischen Risiken würde eine abruptere Umstellung der Wirtschaft erfordern, was wiederum zu höheren Transitionsrisiken führt. Wird die notwendige Reduzierung der Treibhausgasemissionen nicht rechtzeitig vorgenommen, steigen die physischen Risiken und der Handlungsdruck. Im ungünstigsten Szenario zwingen extreme klimabedingte Schäden infolge einer lange hinausge- zögerten Energiewende schließlich zu einer plötzlichen und radikalen Umstellung der Wirtschaft. 

Eine plötzliche radikale Umstellung der Wirtschaft hat auf unser Haus nur sehr geringe Auswirkungen da wir kein Kreditgeschäft betreiben, also hier keine Risiken oder Ausfälle zu tragen haben. 

Nachhaltigkeitsrisiken in den Bereichen Soziales und Unternehmensführung 

Auch Ereignisse, Entwicklungen oder Verhaltensweisen, die den Bereichen Soziales und Unternehmensführung zuzuordnen sind, können negative Auswirkungen auf die Vermögens-, Finanz- und Ertragslage eines Unternehmens entfalten, wenn die Wahrscheinlichkeit des Eintritts nicht hinreichend in die Bewertung der betroffenen Vermögenswerte oder Verbindlichkeiten eingepreist ist. Auch Auswirkungen auf die Reputation sind möglich. Soziale Risiken kennzeichnen sich auch durch negative Auswirkungen auf Stakeholder des Unternehmens. (Beispiele: Erfolgreiche Schadenersatzklagen in Milliardenhöhe gegen Hersteller von Zigaretten; Baugenehmigung für ein Großprojekt scheitert, weil die Landrechte indigener Einwohner nicht berücksichtigt wurden; Bußgeldzahlungen wegen hinterzogener Steuern bzw. zu Unrecht erhaltener Erstattungen.) 

Reputationsrisiken sind ein wesentlicher Aspekt von Nachhaltigkeitsrisiken. Zum einen besteht als zusätzliche Folge eintretender Ereignisse, Entwicklungen oder Verhaltensweisen ein finanzielles Schadenpotenzial im o.g. Kontext. Zum anderen sind manche Unternehmen einem Schadenpotenzial auch unabhängig davon ausgesetzt, dass konkrete Ereignisse eintreten, lediglich aufgrund der Unterhaltung einer Geschäftsbeziehung mit einem Unternehmen, welches möglicherweise einem Nachhaltigkeitsrisiko ausgesetzt ist. 

Aber auch das Unterlassen ausreichender nachhaltiger Aktivitäten in der Außen- und Innenwahrnehmung, welches Vertrauensverluste bei Vertragspartnern und Mitarbeitern nach sich ziehen kann, stellt ggf. ein wesentliches Reputationsrisiko dar. 

Nachhaltigkeit hat bei uns seit unserer Gründung einen hohen Stellenwert. Unser Haus wurde als erster Vermögensverwalter in Deutschland für sein Nachhaltigkeitsportfolio von einem der derzeit strengsten Siegelanbieter (FNG) ausgezeichnet. 

Wir entwicklen unser Portfolio nachhaltiger Geldanlagen regelmäßig weiter (B2C und B2B). Derzeit sind rd. 60% aller von uns in Kundenportfolios allokierten Investmentfonds als nachhaltig klassifiziert. Mit unseren Kunden sind wir dazu im regelmäßigen Austausch.

Die Gesamtverantwortung für die Geschäfts- und Risikostrategie und deren Kommunikation und Umsetzung im Unternehmen sowie eine den Risiken angemessene Geschäftsorganisation liegt bei der Geschäftsleitung. 

Nachhaltigkeitsrisiken wurden im Rahmen des Risikomanagements und der allgemeinen  Geschäftsorgansiation aufgenommen, entsprechende Stresstests und Szenarioanalysen werden im Rahmen der turnusmäßigen Überprüfung und zusätzlich nach Bedarf durchgeführt. 

Unter Berücksichtigung des Proportionalitätsprinzips werden Implementierung und Würdigung von Nachhaltigkeitsrisiken in unserem Unternehmen angemessen und nachhaltig umgesetzt.